Tag 12: Fast zwei Wochen ohne feste Bleibe unterwegs

Nicht ganz 80 Kilometer waren es jetzt noch bis Hamburg. Den Hafengeburtstag in Hamburg hatte ich um eine ganze Woche verpasst. Auf einen Tag mehr oder weniger kam es nun auch nicht mehr an, so dass ich am Vormittag beim Frühstück in Miriams Wohnung entschied, einen Ruhetag einzulegen, mir Lüneburg anzuschauen und erst am nächsten Tag wieder Richtung Hamburg aufzubrechen.

Mein Gepäck verstaute ich bis zum Abend in Miriams Keller und machte mich in die Lüneburger Altstadt auf. In der Altstadt angekommen, erinnerte ich mich daran, dass die ARD in Lüneburg die Telenovela „Rote Rosen“ produziert und eine der Locations ein in der Altstadt befindliches Hotel ist.
Es war nicht schwer zu finden. Vor dem Hotel Bergström (www.bergstroem.de) liefen mehrere Besuchergruppen umher, die alle das Hotel ihrer Lieblingsserie bewundern wollten. Ich folgte einer Gruppe und hörte der Gruppenleiterin zu, wie sie fachlich versiert und detailliert Szenen beschrieb, die an verschiedenen Stellen gedreht wurden.

Die Gruppe, die Mehrzahl der Teilnehmer war über 50 und weiblich, hörte gespannt zu und kommentierte die eine oder andere Bemerkung des Tour-Guides mit eigenen Anmerkungen und Ergänzungen – und das bei nunmehr über 800 Folgen der Serie. „Wir haben kein Problem damit, wenn „Rote Rosen“-Liebhaber hier ins Hotel kommen und sich ein wenig in der Lobby umschauen.“, erklärte mir Judith Gramkau, die Geschäftsführungsassistentin des Bergström-Hotels.

„Viele Besucher sind allerdings ein wenig irritiert, wenn sie feststellen, dass das Innere des Hotels nichts mit der TV-Serie zu tun hat. Nur die Aussenaufnahmen werden am Hotel gedreht, die Innenaufnahmen werden alle im nahegelegenen, eigens dafür umgebauten Studio im Hafen produziert.“ Zusammen mit Frau Gramkau schaute ich mir die verschiedenen Hotelbereiche an.
Das Bergström erstreckt sich über sieben historische Gebäude wie alte Wassermühlen, Wassertürme und Speicher im Wasserviertel mitten in der Lüneburger Altstadt. Zum Hotel gehören zwei Restaurants, eine Weinhandlung, Terrassen am Wasser, ein Biergarten, Sport- und Fitness-Einrichtungen und ein Schwimmbad.

Im gemütlichen Bibliothek-Raum des Hotels dachte ich über meine Reise und die letzten Tage am Kanal nach. Erstaunlich, wen und was ich bisher alles kennengelernt habe. Ich hätte zu Beginn dieser improvisierten Canal-Grande-Tour niemals gedacht, dass ich eine solche Fülle an Erlebnissen und Eindrücken gewinnen würde. Nunmehr fast zwei Wochen ohne konkrete Tagesplanung unterwegs, freute es mich immer wieder, wie herzlich und gastfreundlich ich von den unterschiedlichsten Menschen auf- und wahrgenommen wurde.

„Deutschland, das Land der Spießer und Kleinbürger“, wie es oftmals kolportiert wird, konnte ich zumindest nicht entdecken. Am Nachmittag machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Übernachtungsmöglichkeit in Lüneburg, da Miriams Couch für die kommende Nacht von jemand Anderem besetzt wurde.

Ich setzte mich per E-Mail mit den anderen CouchSurfern in Lüneburg in Verbindung, die mir am Abend zuvor ebenfalls ihre Couch anboten und so kam es, dass Marina mir ihre Couch für den Abend zur Verfügung stellte. Warum sich merkwürdigerweise auf meine bisherigen CouchSurfing Anfragen nur Frauen meldeten und mir eine Bleibe anboten, kann ich allerdings auch nicht erklären.

Marina, die am Samstag ihren Geburtstag groß nachfeiern wollte, erzählte mir von ihren CouchSurfing Erfahrungen, die sie während ihrer Australien-Reise gemacht hatte und konnte meine positiven Erfahrungen hierzulande nur bestätigen. In Australien sei das Angebot an CouchSurfern noch um einiges größer und die Leute würden noch viel selbstverständlicher damit umgehen, anderen Menschen eine kostenlose Bleibe anzubieten.

Leider konnte Marinas Einladung zu ihrer Geburtstagsparty am folgenden Tag nicht nachkommen – ich wollte unbedingt am Samstagabend in Hamburg eintreffen – und ging recht früh „zu Couch“.

Ciao,

Seggy

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